Christentum – Fiktion oder Realität?

von Gerhard

Eine Kurzbetrachtung zu Hararis Trilogie Sapiens, Homo Deus und 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert aus christlicher Sicht

Welche Weltsicht liegt unserem Handeln zugrunde?
Bei dem Bestsellerautor Yuval Noah Harari Harari ist der Held der Geschichte die sich von selbst entwickelnde Materie, alles andere, z.B. auch der Liberalismus, seien fiktive Geschichten.

Der Bestsellerautor Yuval Noah Harari nennt in seinem Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ eine wichtige Prüfmethode, um feststellen zu können, ob ein Weltbild (eine Geschichte) real oder imaginär ist: „Wenn man irgendeine großartige Geschichte vor sich hat und wissen möchte, ob sie real oder imaginär ist, sollte eine der entscheidenden Fragen sein, ob der Held im Mittelpunkt der Geschichte leiden kann.“ Harari zitiert den großen polnischen Nationalpoeten Adam Mickiewicz, der Polen “den Christus der Nationen“ nennt, weil es so viel gelitten hat.

Doch Harari stellt die Frage, ob eine Nation wirklich leiden könne, ob eine Nation Augen, Hände, Sinne, Zuneigungen und Leidenschaften haben könne. Ein Mensch könne leiden, aber Nation sei nur eine Metapher. – Jesus Christus hingegen, der zentrale Held der „Geschichte“ des Christentums, ist Mensch geworden, er hat gelitten, fürchterlich gelitten.

Auf Grund seines eigenen Grundverständnisses vom Leiden müsste Harari seine atheistische Weltsicht überdenken. Der Held des atheistischen Weltbildes, die Materie, kann nicht leiden, also ist diese Geschichte imaginär. Der Held der christlichen Geschichte hat gelitten, also ist diese „Geschichte“ sogar nach dem Kriterium Hararis real. –

Die Aussage des israelischen Historikers Yuval Hararis, dass eine Nation nur eine Metapher sei und nur reale Menschen leiden und zur Heldenfigur einer Weltanschauungs-Geschichte werden könnten und somit diese Geschichte als real eingestuft werden müsse, hat ja noch eine ganz pikante Note:

Die Vorausschau in Jesaja 52/53 auf den Messias als stellvertretend leidenden Gottesknecht, wird von Juden trotz textlicher Probleme gewöhnlich auf das leidende Volk Israel hin gedeutet. Auch dieser Auffassung widerspricht Harari damit: Eine Nation sei nur eine Metapher und könne also nicht leiden. Leiden als Held einer Weltanschauungs-Geschichte könne nur ein Mensch.

Und damit bestätigt er – nolens volens – die einzige übliche Alternative, die christlich-messianische Auslegung der Jesaja-Stelle, die das stellvertretende Leiden des Gott-Menschen Jesus Christus viele Jahrhunderte vor dem tatsächlichen Geschehen voraussagt.

Was das fernöstliche Denken betrifft, wie wir es im Westen oft verstehen, weicht es dem Leid aus, ignoriert es. In Wirklichkeit wird das Leid dadurch oft vergrößert, man kämpft nicht aktiv dagegen an (siehe die Erfahrungen des indischen Philosophen und Sozialreformers Vishal Mangalwadi, z.B. in seinem grundlegenden Buch „Das Buch der Mitte“).

Durch Ignorieren verschwindet das Leid nicht. Wie gewinnen wir die Fähigkeit, das Leid zu minimieren? Durch gewaltsam veränderte Eigentumsverhältnisse, wie es der Kommunismus vorschlägt? Durch Hervorhebung unserer eigenen Belange (Egoismus, Modernismus, Nationalismus)? Durch Abwertung des rationalen Schöpfergeistes (Atheismus, Naturalismus, Szientizismus)? Durch diese Narrative haben wir das Leid oft erheblich gesteigert.

Was für eine erhabene Tatsache besteht hingegen darin, dass  sich der christliche Gott als Mensch selbst mitten in den Strom des Leidens hineinbegibt, um uns heraufzuholen zu sich und sich unendlich erniedrigt, um uns zu seinen Freunden zu machen und uns zu erhöhen, damit wir nicht mehr andere erniedrigen müssen, um uns selbst in unseren Augen und den Augen unserer Bewunderer zu erhöhen.

Text von Gerhard Janke


0 0 Stimmen
Artikel-Bewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline-Rückmeldungen
Alle Kommentare anzeigen
0
Über ein Kommentar würden wir uns freuen.x
()
x