Ergänzung zum Artikel Römer 13

Hier eine Ergänzung zu diesem hervorragenden Artikel über
Römer 13 – „Appell an die Christen in diesem Land“

Liebe Freunde,

nach der Veröffentlichung meines Appells habe ich viele positive Zuschriften und Kommentare bekommen, worüber ich mich sehr freue.
Es gab aber auch – und ich bin dankbar dafür – kritische Anmerkungen. Zu einer davon möchte ich gerne kurz Stellung beziehen. Ich zitiere auszugsweise:
Ich habe Ihr Video ca. 25 mal an diverse Brüder weitergeleitet und habe einiges „einstecken“ müssen.

Zunächst eine Passage, zu welcher die Kritik zurecht besteht: Sie vergleichen die Zeit, als Paulus unter dem Diktator Nero Römer 13 vom Heiligen Geist inspiriert verfasste, mit unserem aktuellen Grundgesetz u.a mit dem Recht auf Widerstand. Obwohl Sie nicht explizit sagen, dass dadurch Römer 13 heute aufgrund unserer demokratischen Staatsform nicht mehr anwendbar bzw. gültig ist,haben einige Empfänger den naheliegenden Rückschluss gezogen, dass für Sie Römer 13 heute nicht mehr anwendbar ist.

Dagegen steht die deutliche Lehre der Schrift, dass Gott Regenten und Könige sowohl einsetzt, als auch absetzt. Gott nannte König Nebukadnezar sogar „meinen Knecht“, weil ER diesen Herrscher Babylons extra dazu benutzte, Sein Volk Israel zu strafen.

Für den Autor dieser Zeilen sind die Aussagen des Apostels offensichtlich ausschließlich normativ zu verstehen, das heißt, sie gelten unabhängig von der Staatsform. Denn, so das Argument, Gott allein setzt die Regenten dieser Welt ein und wieder ab. Wenn Paulus die Unterordnung unter die jeweils gottgegebene Obrigkeit2 anmahnt, so macht dies einen Vergleich der Situation von damals mit heute obsolet. Weil ich aber in meinem Appell einen solchen Vergleich ziehe, wird mir unterstellt, ich hätte Römer 13 (1-7) für ungültig erklärt.

Für mich spielt es keine Rolle, ob wir diese Verse in Römer 13 situativ oder normativ auslegen. Ich komme in beiden Fällen zum selben Ergebnis, das da lautet: Wir haben heute das Recht, ja, sogar die Pflicht, Widerstand gegen eine übergriffige Regierung zu leisten.

Als Paulus den Römerbrief verfasste, befand sich seine Nation unter römischer Herrschaft. Dabei dürfte er die politische Lage auch anhand zuvor gegebener Verheißungen beurteilt haben: Gott verfährt mit seinem Volk so, wie dieses zu seinem Bund steht. Würden die Israeliten Gottes Bund halten, war ihnen Segen versprochen – andernfalls Fluch. Einen ganzen Katalog finden wir in 5. Mose 28.
Wobei nur die ersten 14 Verse vom Segen sprechen, ab Vers 15 bis Vers 68, also 54 Verse (!) lesen wir von Verheißungen des Fluches. Inklusive der Androhung, dass Invasoren kommen würden (Vers 49). Was sich 722 v. Chr. mit der Invasion der Assyrer und 586 v. Chr. mit der Invasion der Babylonier erfüllte.

An diese historischen Ereignisse dürfte Paulus gedacht haben, als er seinen Brief an die Gemeinde in Rom schrieb. Das Imperium Romanum hatte seine harte Hand auf das Volk Gottes gelegt. Und so macht Paulus seinen Lesern, von denen viele aus dem Judentum konvertiert waren, unmissverständlich klar: Haltet Abstand von Rebellion und Aufruhr. Denn diese Exousia ist von Gott verordnet! Wenn ihr euch gegen eure Besatzer auflehnt, lehnt ihr euch gegen den auf, der euch dieses Joch geschickt hat.
Ihr holt euch nicht nur eine blutige Nase, ihr erhebt euren Arm gegen Jahwe selbst. Jahwe, der euer Gott sein möchte, aber den ihr verstoßen habt, hat die Theokratie durch ein usurpatorisches und ausbeuterisches System ersetzt.

Wie sieht es zweitausend Jahre später aus? Erleben wir unsere Regierungsform als Strafe Gottes, als fremde Macht, die eingesetzt wurde, um uns zur Buße zu bewegen? Keineswegs, sondern wir selbst, das Volk, haben uns diese Exousia gegeben. Wir leben unter völlig anderen Voraussetzungen, insbesondere haben wir Gewaltenteilung!

Die Exousia heute ist kein monolithischer Block mehr.
Wir können z. B. Gerichte anrufen, wenn es die Regenten zu weit treiben. Das wäre zur Zeit von Paulus nicht möglich gewesen. Zwar gab es damals das römische Bürgerrecht, aber selbst ihre Besitzer, die dadurch in den Genuss weitreichender Privilegien kamen, konnten sich nur auf den Kaiser, nicht aber auf ein unabhängiges Gericht berufen. Die Masse der Menschen, insbesondere die römischen Provinzbewohner, waren der Willkür der lokalen Behörden, die durch Statthalter repräsentiert waren, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Nun, welche Konsequenzen ergeben sich aus diesem Unterschied? Wenn wir mit unserer Obrigkeit unzufrieden sind, sollten wir nicht Gott dafür verantwortlich machen. Er hat uns keinen Fluch geschickt. Für den Zustand unsere Demokratie sind wir selbst verantwortlich. Die Suppe, die wir gerade unter dem aktuellen Corona-Regime auslöffeln müssen, haben wir uns selbst eingebrockt.

Und deshalb möchte ich deutlich sagen: Loyalität in einer Diktatur kann dein Überleben sichern, Loyalität in einer Demokratie kann dich in die Diktatur führen.

Nun zum normativen Aspekt von Römer 13. Sich in unserer Demokratie der Exousia unterzuordnen bedeutet, das Prinzip der Volkssouveränität anzuerkennen. Nach diesem Prinzip ist das Volk der souveräne Träger der Staatsgewalt. „Die Verfassung als politisch-rechtliche Grundlage eines Staates beruht danach auf der verfassungsgebenden Gewalt des Volkes. Nicht ein absoluter Monarch, sondern das Volk in seiner Gesamtheit steht einzig über der Verfassung“.

Vereinfacht ausgedrückt (und auf die aktuelle Krise projiziert) gilt unsere ganze Loyalität dem Grundgesetz – und nicht höchst fragwürdigen Notstandsverordnungen einer außer Kontrolle geratenen elitären Clique. Wenn wir treue Diener der demokratischen Exousia sein wollen, dann müssen wir Christen alle Mittel, die uns die Demokratie zur Verfügung stellt, einsetzen, um unsere Volkssouveränität zu erhalten. Wobei wir inzwischen an einen Punkt angelangt sind, wo ich besser sagen sollte: um sie wiederherzustellen.

Ob wir noch eine Chance haben, weiß ich nicht. Denn viel zu lange haben wir geschlafen. Viele bibeltreue Christen verhalten sich heute wie die rechtlosen Untertanen des besetzten Judäas. Sie könnten ihre Bürgerrechte wahrnehmen. Sie könnten z. B. die Gerichte mit Klagen gegen das Gesangsverbot in den Kirchen überschwemmen4.

Aber zu viele Predigten, in denen eine falsch verstandene Loyalität gegenüber der Obrigkeit immer wieder aufs Neue beschworen wurde, haben ihre fatale Wirkung gezeigt.

Es ist der Inspiration des Heiligen Geistes zu verdanken, dass Römer 13 in jeder Herrschaftsform uneingeschränkte Gültigkeit besitzt. Heute fordert uns dieses Wort auf, aktiv für den Erhalt unsere bürgerlichen Freiheiten zu kämpfen.
Die für den Rechtsbruch Verantwortlichen sind alle Mitglieder politischer Parteien, die einige von uns über Jahrzehnte immer wieder gewählt haben.
Dabei spielt es keine Rolle, ob diese momentan auf der Regierungs- oder der Oppositionsbank sitzen. Ihnen können wir bei der Bundestagswahl im Herbst unsere Stimme nicht mehr geben.


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